Individualfeedback/Kollegiale Beratung

Individualfeedback und individuelle Qualitätsentwicklung als Teil des Qualitätsmanagements

Seit 2008 ist Stefan Falcione für den Bereich Individualfeedback/ Kollegiales Feedback an unserer Schule verantwortlich, da er Handlungsfeldleiter für den Bereich Qualitätsentwicklung im Rahmen des Modellprojekts „Selbstverantwortung plus“ (SV+) war, an dem die THS als eine von 17 Schulen in Hessen von 2005 – 2011 teilnahm. Dieser Bereich ist ein zentraler Bereich der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung.

Gemeinsam mit dem Kollegen Wilhelm Guth bietet er seit 2008 schulinterne Workshops, Fortbildungen bzw. seit 2010 Fortbildungsreihen zum Thema Individualfeedback /Kollegiales Feedback an, um dieses Verfahren nachhaltig im Kollegium zu etablieren.

Diese Veranstaltungen waren alle sehr gut besucht, was auch ein Grund dafür sein dürfte, dass die THS bei der letzten Metaevaluation in diesem Bereich sehr gute Ergebnisse erzielen konnte. Das Individualfeedback wird von einer großen Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen aktiv gelebt.

Zum Konzept des Individualfeedbacks/Kollegiale Beratung an der THS

Unsere Lehrkräfte haben sich im Rahmen einer Gesamtkonferenz 2014 – ausgehend von einer Vereinbarung mit dem Staatlichen Schulamt Offenbach (SSA) und der Selbstverpflichtung im Rahmen des damaligen Modellprojekts „Selbstverantwortung plus“ (SV+)- dazu verpflichtet, mindestens zweimal im Schuljahr in ihren Klassen ein Individualfeedback durchzuführen.

Das Individualfeedback ist an der THS kein Kontrollinstrument der Schulleitung. Es geht darum, dass alle Lehrkräfte sich mithilfe des Individualfeedbacks mit der Lerngruppe über ihre Person, die Lernatmosphäre und über die Unterrichtsqualität austauschen bzw. diese reflektieren und miteinander darüber nachdenken, ob und wenn ja, was verbessert werden kann, damit alle Beteiligten ein bestmögliches Lernklima vorfinden. Insofern ist das Individualfeedback ein Instrument der individuellen Qualitätsentwicklung und dokumentiert die Bereitschaft der Lehrkräfte, sich stetig reflektieren zu wollen und alles dafür zu tun, optimale Lernbedingungen zu generieren bzw. zu arrangieren.

Die Datenhoheit liegt bei den Beteiligten, also den Lehrkräften. Die Ziele des Individualfeedbacks werden zu Beginn der Durchführung mit den Lernenden geklärt. Das Individualfeedback erfolgt nach vereinbarten Verfahrensregeln zwischen den Lehrenden und Lernenden. Es ist datengestützt und anonym. Das Gespräch ist offen. Es darf nicht persönlichkeitsverletzend sein. Die Rückmeldungen erfolgen ohne Rechtfertigung. Positives wird hervorgehoben. Kritisches wird nicht verschwiegen. Persönliche Bemerkungen sollten als „Ich-Botschaften“ formuliert werden. Die Rückmeldung der Lehrkraft zu den Antworten der Schülerinnen und Schüler geschieht zeitnah.

Kollegiales Feedback/Kollegiale Beratung

Die Situation ist in Bezug auf dieses Instrument anders. Es wird von einer sehr großen Mehrheit des Kollegiums als nicht hilfreich für die persönliche unterrichtsbezogene Qualitätsentwicklung empfunden. Im Gegensatz zur postulierten Annahme aus der Theorie zum Kollegialen Feedback, dass Lehrkräfte die “Experten“ seien, um den Unterricht einer Kollegin/eines Kollegen „feedzubacken“ , wird diese Meinung von einer großen Mehrheit der Lehrkräfte nicht geteilt. Das wird eher als Euphemismus gedeutet bzw. als eine punktuelle Weiterführung des Daseins als Lehrer im Vorbereitungsdienst abgelehnt. Diese dort gesammelten Erfahrungen scheinen primär negativ besetzt zu sein, was ein Grund dafür sein könnte, dass dieses Instrument an der THS nicht angenommen wurde. Insgesamt ist dieses Instrument auch formal zu „sperrig“, da die sich im Unterricht zu besuchenden Teams, auch in den Stundenplan integriert werden müssten, was dazu führen würde, dass regulärer Unterricht ausfallen würde oder die Unterrichtsbesuche in den Nachmittag verlegt werden müssten, da mindestens drei Lehrkräfte an dem Verfahren beteiligt wären. An dieser Situation konnten auch zahlreiche interne und externe Fortbildungen nichts ändern, Dreierteams, die sich nach unseren internen Fortbildungen bildeten, lösten sich schnell wieder auf. Mit dieser Erfahrung steht unsere Schule allerdings nicht alleine. Der Nutzen des Verfahrens ist nicht vermittelbar bzw. steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag. Was war zu tun?

Kollegiale Beratung statt Kollegiales Feedback

Aufgrund dieser Ausgangslage gründeten Stefan Falcione und Wilhelm Guth im Jahr 2013 das Kollegiale Beratungsteam an der THS als Teil des Q-Managements, was damals von offizieller Seite noch nicht als Q-Instrument anerkannt wurde, da es nicht unmittelbar unterrichtswirksam sei. In diesem Team arbeiteten zunächst sechs, inzwischen sind es 14 Lehrkräfte.

Der dort gelebte moderierte Erfahrungsaustauch (ERFA) arbeitet mit verschiedenen Rollen. In der Regel gibt es eine Fallgeberin/einen Fallgeber, eine Moderatorin, einen Moderator, Beobachter/innen, Berater/innen und eine Hüterin bzw. einen Hüter der Zeit. Das Team trifft sich, um alltägliche Schwierigkeiten beim Unterrichten zu besprechen. Die Fallgeberin/der Fallgeber erhält von Kolleginnen und Kollegen Hilfe bei der Bewältigung einer schwierigen Situation im Unterricht.

Den Feedback-Prinzipien im Rahmen von Qualitätsentwicklung wird mit dieser Praxis entsprochen, da das persönliche Lernen der Lehrkraft im Zentrum der Fallberatung steht. Demnach hat der moderierte ERFA zum Ziel, die kontinuierliche und individuelle Weiterbildung der Lehrkraft zu stärken, da Lösungsmöglichkeiten im Mittelpunkt der systematischen Fallberatung stehen. Des Weiteren eröffnen zusätzliche Informationen und Einschätzungen von den anderen Teammitgliedern ein breiteres Spektrum an Verständnis und Entscheidungs-und Handlungsmöglichkeiten. Die Gruppe trifft sich regelmäßig ca. 5-7-mal jährlich.

Neben der Fallberatung organisiert das Team inzwischen auch den jährlich stattfindenden „Pädagogischen Tag“, an dem viele Workshops angeboten werden, in die sich die Lehrkräfte einwählen können. Auch das wird von der Schulleitung als ein wichtiger Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Lehrkräfte wertgeschätzt und unterstützt. Die Kollegiale Beratung ist inzwischen auch als unterrichtsbezogene Qualitätsentwicklung im Rahmen des PUQE-Modell (Persönliche unterrichtsbezogene Qualitätsentwicklung) und kann somit in einer Metaevaluation als Instrument des Kollegialen Feedbacks evaluiert werden.

Für das Kollegiale Beratungsteam an der THS

Stefan Falcione und Wilhelm Guth